Wenn das eigene Kind suchtkrank ist, geraten Eltern oft selbst an ihre Grenzen.
Sorgen, Schuldgefühle, Hilflosigkeit, Angst und Erschöpfung können den Alltag bestimmen. Viele Eltern fragen sich: Was kann ich noch tun? Wo muss ich loslassen? Wie setze ich Grenzen, ohne mein Kind aufzugeben?
Unsere Gruppe „Eltern helfen Eltern“ bietet einen geschützten Raum für Mütter, Väter und Angehörige von suchtkranken Kindern – unabhängig davon, ob es um Alkohol, Drogen, Medikamente, Glücksspiel, Medienkonsum oder andere Abhängigkeiten geht.
Dabei wissen wir: Sucht steht oft nicht allein. Häufig spielen auch seelische Belastungen, familiäre Konflikte, Depressionen, Ängste oder ADHS eine Rolle. Gerade ADHS kann mit innerer Unruhe, Impulsivität, Schwierigkeiten in der Selbststeuerung und einem erhöhten Risiko für Suchtverhalten verbunden sein.
Für Eltern ist es deshalb wichtig, nicht nur auf den Konsum zu schauen, sondern auch auf das, was dahinterliegen kann: Schmerz, Überforderung, alte Verletzungen, Einsamkeit oder das Gefühl, nicht dazuzugehören.
Bei uns geht es nicht nur darum, über das suchtkranke Kind zu sprechen. Es geht auch um die Eltern selbst.
Gesprächsthema sind oftmals Ängste dieser Eltern. Habe ich bei der Erziehung versagt? Wo habe ich Fehler gemacht? Hätte ich anders reagieren müssen in verschiedenen Situationen? Wie kann ich meinem Kind helfen, was muss geändert werden? Es sind viele Fragen und noch mehr Sorgen und Nöte.
Gedanken wie „Ich hätte das doch merken müssen?!“ oder „Wie konnte ich es soweit kommen lassen?!“, zermürben liebende Eltern oft jahrelang. Begleitet von schweren Scham- und Schuldgefühlen und zahlreichen (oft vergeblichen) Versuchen, das Kind aus der Sucht herauszuholen. Gefühle wie Wut, Angst, Trauer und Hilflosigkeit bestimmen schnell das Familienleben, wenn ein junger Mensch Gefahr läuft, eine Sucht zu entwickeln.
Egal wie behütet, umsorgt oder liebevoll ein Kind aufwächst, ein „gutes“ Elternhaus ist keine Garantie für ein suchtfreies Leben. Viele Faktoren beeinflussen die Entstehung einer Sucht. So verständlich und nachvollziehbar die Bemühungen und Sorgen der Eltern sind, früher oder später muss ein/e Heranwachsende/r für sein bzw. ihr Leben selbst die Verantwortung übernehmen. Man kann leider niemandem den Weg aus seiner Sucht abnehmen.
Entlastung finden
Sie dürfen aussprechen, was belastet – ohne bewertet zu werden.
Orientierung bekommen
Gemeinsam suchen wir nach Wegen im Umgang mit Sucht, Rückfällen, ADHS, psychischen Belastungen und familiären Konflikten.
Grenzen lernen
Liebe zum Kind bedeutet nicht, sich selbst aufzugeben.
wieder mehr auf sich selbst achten
Die eigene Gesundheit, Kraft und Lebensfreude dürfen wieder wichtig werden.
Hoffnung und Gemeinschaft erleben
Niemand muss diesen Weg allein gehen.
Wir begegnen einander mit Respekt, Verschwiegenheit und Verständnis. Jeder bringt seine eigene Geschichte mit. Es gibt keine fertigen Patentlösungen, aber Erfahrung, Mitgefühl und gegenseitige Unterstützung.
Unser Blick auf Sucht ist geprägt von Menschlichkeit und Klarheit:
Verstehen heißt nicht entschuldigen.
Mitgefühl heißt nicht grenzenlos sein.
Liebe heißt nicht, sich selbst zu verlieren.
Helfen heißt nicht, alles tragen zu müssen.
Loslassen heißt nicht, das eigene Kind aufzugeben.
Wir möchten Eltern stärken, wieder mehr auf sich selbst zu achten, eigene Grenzen wahrzunehmen und trotz aller Sorge einen Weg zu finden, der ihnen Halt gibt.
Vor einem Erstbesuch bitte o.g. Gruppenleitung kontaktieren! Ggf. kann es kurzfristig zu Terminänderungen oder Einschränkungen kommen.
Wie in einem Mobilé beeinflussen sich auch die Mitglieder einer Familie gegenseitig. Kippt eine Person z.B. in eine Abhängigkeit, bringt das das ganze Gleichgewicht im System durcheinander. Die Folge ist oft, dass alle nur noch auf das süchtige Familienmitglied schauen und sich selbst dabei vergessen.
Was sind schon die kleinen Alltagssorgen in Anbetracht eines süchtigen Angehörigen?! Doch es ist für Angehörige und für Eltern wichtig, sich auch wieder um die eigenen Bedürfnisse zu kümmern. Nur wenn die Elternteile in sich selbst stabil sind, Selbstfürsorge, Verantwortung und Zuversicht leben, können sie auch eine wirkliche Hilfe und Vorbild für ihr Kind sein.